Auf den ersten Blick kann HEMA wie Gewalt aussehen – schließlich handelt es sich um einen Kampfsport. Gerade deshalb ist es uns wichtig, den Internationalen Frauentag zum Anlass zu nehmen, über ein Thema zu sprechen, das weit über den Sport hinausgeht: Gewalt an Frauen und Mädchen.

Als Verband tragen wir Verantwortung dafür, welche Kultur wir in unserer Community leben. Uns ist es wichtig, jene gesellschaftlichen Strukturen nicht zu reproduzieren, die Gewalt an Frauen verharmlosen, ermöglichen oder unsichtbar machen.

Gewalt an Frauen zählt weiterhin zu den häufigsten Menschenrechtsverletzungen weltweit. Auch in Österreich ist die Situation alarmierend: Laut Statistik Austria hat jede dritte Frau körperliche und/oder sexuelle Gewalt erlebt. 26,6 % der Frauen waren bereits sexueller Belästigung am Arbeitsplatz ausgesetzt, 21,9 % berichten von Stalking. Im Leistungssport sind die Zahlen sogar noch höher: Ein Drittel der Athletinnen hat schon sexualisierte Gewalt erlebt, physische Gewalt erlebte 30% der Befragten. Das bedeutet: Selbst wenn du nicht direkt betroffen bist, kennst du sehr wahrscheinlich jemanden, der es ist.

Die #MeToo-Bewegung hat im Jahr 2020 auch die HEMA-Szene erreicht. Der ÖFHF hat darauf reagiert und den Fachbereich Gleichstellung, Integrität und Fairness sowie eine Ombudsstelle eingerichtet. Diese Schritte waren wichtig aber sie sind nicht das Ende des Prozesses. Diese Positionierung verstehen wir als neuen Ausgangspunkt.

HEMA ist ein Kampfsport und nach wie vor eine männerdominierte Szene. Uns ist es wichtig zu betonen, dass Frauen und Mädchen bei uns gleichberechtigt trainieren können. Gleichzeitig wissen wir, dass viele von ihnen noch immer nicht die gleichen Möglichkeiten haben wie Männer und Burschen, überhaupt den Weg zu unserem Sport zu finden. Dieser Realität sind wir uns bewusst – und wir möchten sie verändern.

Unser Ziel ist es, Trainingsräume zu schaffen, in denen Frauen und Mädchen sich sicher fühlen, sich entwickeln können und ermutigt werden, ihren Platz in der HEMA-Welt einzunehmen. Denn HEMA ist für alle da und zwar unabhängig von Geschlechtsidentität, Aussehen, Herkunft oder Religion.

Als einen weiteren Schritt am Weg hat der ÖFHF Verhaltenscodices für Funktionär:innen sowie für Fechterinnen und Fechter eingeführt.

HEMA ist mehr als ein Sport. HEMA ist auch eine Gemeinschaft und als solche tragen wir Verantwortung füreinander.
Der ÖFHF steht für eine HEMA-Szene, in der Respekt, Sicherheit und Gleichberechtigung selbstverständlich sind.